Studie und Statistik: E-Bikes nicht gefährlicher

Versicherer und Verkehrsexperten befürchten steigende Unfallzahlen durch den E-Bike-Boom. Doch aktuell gibt es keine bedenkliche Entwicklung.

„Only bad news are good news“ lautet eine alte Presseweisheit. Und so stimmt es auch nicht verwunderlich, wenn zwischenzeitlich immer wieder vorgebliche Gefahren des E-Bikes / Pedelecs beschworen werden. Faktisch gibt es aktuell keinerlei Grund zur Besorgnis. Das legen zumindest seriöse Untersuchungen nahe.

Zweirad-Industrie-Verband (ZIV):
kein höheres Unfallrisiko mit E-Bikes

Laut aktueller Angaben des Statistischen Bundesamtes (Januar 2017) hat die Zahl der Unfälle mit E-Bikes im Jahr 2016 deutlich zugenommen. Auch die Zahl der Fahrradunfälle habe leicht zugenommen. Der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) warnt jedoch davor, diese Zahlen falsch zu interpretieren. „E-Bikes weisen keineswegs per se ein größeres Unfallrisiko auf als gewöhnliche Fahrräder“, so der ZIV.

Der Anstieg der Unfallzahlen bei E-Bikes ist nach Überzeugung des ZIV hauptsächlich auf den stetig wachsenden Bestand    – zum Jahresende 2016 waren Hochrechnungen zufolge bereits über 3 Millionen E-Bikes auf deutschen Straßen unterwegs sein – sowie die intensivere Benutzung hinsichtlich zurückgelegter Distanzen und Nutzungshäufigkeit zurückzuführen. Durch die gesteigerte Kilometerleistung stiege auch das Unfallrisiko proportional.

Unfallforschung der Versicherer zu E-Bikes*:
KEINE ERHÖHTE GEFAHR

Auch die Unfallforschung der Versicherer (UDV) untersuchte 2014 gemeinsam mit der Technischen Universität Chemnitz die Mobilität, die Geschwindigkeit und die Verkehrssicherheit von Elektroradfahrern im Vergleich zu Fahrradfahrern. Ihr Ergebnis:

„Der Vergleich von Fahrräder und Elektrofahrrädern zeigte, dass Elektrofahrräder per se keinem erhöhten oder anders gelagertem Sicherheitsrisiko als Fahrräder unterliegen.“

Im Ergebnis zeichnet die UDV-Studie für E-Bikes u. a. folgendes Bild:
  • Pedelecs werden gegenwärtig vor allem von älteren Personen gefahren.
  • Pedelecs und Fahrräder werden in ähnlichem Umfang und zu ähnlichen Zwecken eingesetzt. Lediglich bei den S-Pedelec Fahrern dominieren stärker die Arbeitswege.
  • S-Pedelec-Fahrer erreichen statistisch signifikant höhere Durchschnittsgeschwindigkeiten, als Fahrrad- und Pedelec-Fahrer. Pedelec-Fahrer sind im Mittel ebenfalls statistisch signifikant schneller unterwegs als Fahrradfahrer. Der Unterschied ist allerdings nicht sehr groß. Sie scheinen die Motorunterstützung in erster Linie einzusetzen, um dem Fahrrad ähnliche Geschwindigkeiten mit geringerem Aufwand zu realisieren.
  • Die Fahrgeschwindigkeit der S-Pedelec- als auch der Pedelec-Fahrer variiert jedoch stärker als die der Fahrradfahrer.
  • Alle drei Zweiradtypen (Anm. d. Red.: Fahrrad, Pedelec, S-Pedelec) erleben ähnlich häufig kritische Situationen im Straßenverkehr. Auch die höhere Durchschnittsgeschwindigkeit von S-Pedelec-Fahrern führt zu keiner Häufung von kritischen Situationen.

Flyer E-Bike K-Serie*Anm.: Der Begriff E-Bike wird hier, wie inzwischen im allgemeinen Sprachgebrauch üblich, synonym für alle Fahrräder mit Elektrounterstützung genutzt. Mehr zu E-Bike-Typen und Pedelec-Klassen hier auf e-bikeinfo.de.

Zwischenfazit

Folgt man der Annahme, dass bundesweit rund 60 Millionen Fahrräder im Straßenverkehr unterwegs sind (Gesamtbestand Fahrräder in Deutschland laut Branchenverband ZIV inkl. Kinderfahrrädern ca. 69 Mio.) und davon 3 Millionen E-Bikes, dann ergibt sich aktuell kein signifikant höherer Anteil an Unfällen mit Pedelecs. Zu beachten ist natürlich, dass Elektoräder bei älteren Menschen deutlich stärker verbreitet sind und hier sowohl das Sturzrisiko, als auch die Wahrscheinlichkeit bei einem Unfall schwere Verletzungen zu erleiden deutlich höher ist. Gleiches gilt übrigens auch für das „zu Fuß gehen“.

Weitere Anmerkungen: Die Unfallzahlen der durch Medienberichte oft als besonders gefährlich zitierten schnellen S-Pedelecs (Unterstützung bis max 45km/h, max. 500 Watt Dauerleistung, Versicherungs- und Helmpflicht) sind in der Summe sehr niedrig. Unter anderem wohl deshalb , da sie wenig verbreitet sind. So schätzt der Branchenverband ZIV, das 95 bis 97 Prozent der verkauften E-Bikes normale Pedelecs (Unterstützung bis max 25km/h, max. 250 Watt Dauerleistung) und damit nach dem Gesetz Fahrräder sind. Weitere Gründe dürften darin liegen, dass hier die Reisegeschwindigkeit erfahrungsgemäß zwischen 32 und 35 km/h liegt. 45 km/h bilden auf ebener Strecke die Ausnahme.

Auch beim normalen Pedelec liegt die Durchschnittsgeschwindigkeit mit einem Plus von rund zwei km/h kaum höher als beim Fahrrad, so die aktuellen Erkenntnisse des ZIV. Die Motorunterstützung würde hauptsächlich genutzt, um ähnliche Geschwindigkeiten wie beim Fahrrad zu erreichen, dies jedoch mit geringerem körperlichen Aufwand.
Übrigens: E-Bikes im engeren Sinn (Gasgriff und Unterstützung bis 20 km/h) werden hierzulande so gut wie gar nicht verkauft.

 

Einige Tipps zum sicheren E-Bike-fahren

Wer liest, fährt sicherer: Betriebsanleitung sichten
Wie bei allen technischen Geräten steht auch vor der Inbetriebnahme eines Pedelecs ein genaues Studium der Betriebsanleitung.

E-Bike checken
Vor der ersten Fahrt mit einem neuen E-Bike oder nach einer längeren Pause steht eine Funktionsprüfung von Bremsen, Reifen, Schaltung und Licht an. Das übernimmt gern die Fachwerkstatt.
Tipp: Immer auf den Reifendruck achten. Denn er entscheidet über effizienten Vortrieb und das Kurvenhalten. Da alle Reifen regelmäßig Druck verlieren, sollte alle paar Wochen Luft nachgefüllt werden. Die Hersteller führen auf der Seitenflanke den Minimal- und Maximaldruck des jeweiligen Modells auf. Nicht geeignet zur Druckkontrolle ist die Daumenprobe. Für Fahrräder und insbesondere E-Bikes empfehlenswert sind Standluftpumpen mit integrierter Reifendruckanzeige.

Eine Frage der Einstellung: E-Bikes ergonomisch anpassen
Eine ergonomische Anpassung der Sitzposition und des Cockpits bringen Komfort, Effizienz und Sicherheit.
Tipp: Auch hier hilft der Fachhändler – ggf. durch die richtige Einstellung oder den Austausch von Komponenten, wie Vorbau, Lenkergriffe, Sattel / Sattelstütze.

Erst langsam an den Zusatzschub gewöhnen
Beim E-Bike ist es wie beim Auto: Statt immer Vollgas zu geben sollte man auf angepasste Geschwindigkeit achten. Gerade am Anfang macht es Sinn sich erst langsam mit der Beschleunigung, der Geschwindigleit und ggf. neuen Bremswirkung vertraut zu machen.
Tipp: Moderne E-Bikes können meist auch mittels Software in ihrem Fahrverhalten angepasst werden.

Vorsicht bei starken Gefällstrecken
Mit einem E-Bike werden auch steilere Passagen im Mittel- und Hochgebirge möglich. Irgendwann geht es natürlich wieder hinunter. Hier sollten Sie beachten, dass ein E-Bike bei Bergabfahrten mehr Masse als ein normales Fahrrad hat und damit auch schneller wird. Gute Bremsen sind hier Pflicht. Eine Rücktrittbremse reicht meist nicht, da sie schnell überhitzen kann. Besser (und teurer) sind hydraulische Felgenbremsen oder Scheibenbremsen.
Tipps: Gerade Tiefeinsteiger neigen konstruktionsbedingt zum Rahmenflattern, wodurch das E-Bike instabil werden kann. Auch Gepäck am Rad beeinflusst die Fahreigenschaften.

Unser Tipp für (angehende) E-Mountainbiker
Wer gerne mit einem E-MTB ins Gelände will, mit dem Mountainbike aber noch keine größere Erfahrung hat, dem empfehlen wir einen Fahrtechnikkurs. Zum Lernen der richtigen Brems- und Kurventechnik eignen sich auch ganz normale Mountainbikes.

Weitere Tipps zum Thema Sicherheit auf dem E-Bike hier auf e-bikeinfo.de

Bild: Flyer

Über e-bikeinfo.de

e-bikeinfo.de bietet Informationen zum faszinierenden Thema E-Bikes, Pedelecs, Elektroroller und Leicht-Elektrofahrzeuge. Schreiben Sie uns Ihre Meinung und teilen Sie Ihre Bike-Erlebnisse. Wir freuen uns auf Sie!

Ihr/Euer Reiner Kolberg
Herausgeber & Chefredakteur e-bikeinfo.de
www.buerokolberg.de

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2 Kommentare

  1. Oskar sagt:

    Das ewige Gequassel betreffend Sicherheit und Gefahren des eBikes sind inzwischen schon so fade, wie ein Grießkoch für einen überzeugten Fleischfresser.
    Vieeel gefährlicher sind laut Statistik die Krankenhausbetten, die haben auch Räder… hier sterben jährlich zig Mal mehr Menschen. Wo bleiben da die plakativen Schlagzeilen? UND Verbote?

    Also, lasst die armen eBikes in Ruhe….. 😉
    Ich habe vor Kurzem ein über 30 Jahre altes Mountainbike von Simplon wieder hergerichtet und fahrbar gemacht. Ich bin damit auf den Hausberg der Wiener gekeucht (ohne E-Unterstützung) und trotz der kalten Jahreszeit verschwitzt den Berg hinuntergerast, der Tacho pendelte um die 70 km/h herum, OHNE Federgabel, OHNE Scheibenbremsen, sondern eine Cantileverbremse mit nicht mehr ganz frischen Bremsbacken…. UND ich habe die rasende Abfahrt überlebt, unglaublich…. UND ich werde daher bald meinen 68er feiern….
    Und jetzt frag ich mich ernstlich, warum die Schei…. eBikes (Pedelecs) diese dämliche 25er Begrenzung haben?

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  2. Oskar sagt:

    Das ewige Gequassel betreffend Sicherheit und Gefahren des eBikes sind inzwischen schon so fade, wie ein Grießkoch für einen überzeugten Fleischfresser.
    Vieeel gefährlicher sind laut Statistik die Krankenhausbetten, die haben auch Räder… hier sterben jährlich zig Mal mehr Menschen. Wo bleiben da die plakativen Schlagzeilen? UND Verbote?

    Also, lasst die armen eBikes in Ruhe….. 😉
    Ich habe vor Kurzem ein über 30 Jahre altes Mountainbike von Simplon wieder hergerichtet und fahrbar gemacht. Ich bin damit auf den Hausberg der Wiener gekeucht (ohne E-Unterstützung) und trotz der kalten Jahreszeit verschwitzt den Berg hinuntergerast, der Tacho pendelte um die 70 km/h herum, OHNE Federgabel, OHNE Scheibenbremsen, sondern eine Cantileverbremse mit nicht mehr ganz frischen Bremsbacken…. UND ich habe die rasende Abfahrt überlebt, unglaublich…. UND ich werde daher bald meinen 68er feiern….
    Und jetzt frag ich mich ernstlich, warum die Schei…. eBikes (Pedelecs) diese dämliche 25er Begrenzung haben?
    Welche „Verkehrsexperten“ verzapfen hier diese Ratschläge zur Begrenzung…. 90ig Jährige mit Krücken?

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