Keine Helmpflicht für Pedelecs bis 25 km/h

Goslar, 27.01.2012. Der 50. Deutsche Verkehrsgerichtstag hat sich gegen eine Helmpflicht für Fahrer von Pedelecs der Klasse bis 25 km/h ausgesprochen.

Empfehlung des Verkehrsgerichtstags an die Politik: Keine Änderungen bei Pedelecs und e-Bikes bis 25 km/h
Fahrräder und e-Bikes in der Rushhour

Sieht es bei uns auch bald so aus? Fahrräder und e-Bikes in der Rushhour (Foto: ECF)

Die Experten aus Wissenschaft, Verbänden, Politik und Polizei stellten klar, dass Pedelecs der Klasse bis 25 km/h – auch wenn sie über eine Anfahrhilfe bis 6 km/h verfügen – Fahrräder sind und als solche auch rechtlich so zu behandeln seien. Entsprechend beließen sie es dabei, Pedelecfahrern das Tragen eines Helms und das Abschließen einer Haftpflichtversicherung lediglich zu empfehlen. Für Kinder bis 14 Jahre seien Pedelecs aber nicht geeignet.

Kommt die Helmpflicht für S-Pedelecs?

Bei schnellen, sogenannten S-Pedelecs (bis 45 km/h) sprachen sich die Experten neben einer Führerschein- und Versicherungspflicht, die es heute bereits für diese Klasse gibt, auch für eine Helmpflicht aus. Die schnellen Pedelecs seien wie Kleinkrafträder zu behandeln.

Da gängige Fahrradhelme allerdings nur für einen Aufprall mit Geschwindigkeiten unter 20 km/h ausgelegt und Motorradhelme u. a. aufgrund der fehlenden Belüftung ungeeignet sind, hat der Verkehrsgerichtstag die Industrie aufgefordert, zeitnah geeignete Helme zu entwickeln.

Verkehrssicherheitsrat: Ausbau von Infrastruktur und Aufklärung notwendig
DVR empfiehlt den Ausbau von Radwegen

DVR empfiehlt den Ausbau von Radverkehrsanlagen. (Foto: DVR)

Im Hinblick auf eine sichere Verkehrsinfrastruktur empfiehlt der Deutsche Verkehrssicherheitsrat DVR den Ausbau von Radverkehrsanlagen. „Höhere Fahrgeschwindigkeiten erfordern weitläufiger dimensionierte Verkehrswege, um Konflikte mit anderen Verkehrsteilnehmern, insbesondere Fußgängern, zu vermeiden.“

Für ein sicheres Miteinander im Straßenverkehr ist nach Ansicht des DVR außerdem eine umfangreiche und konkrete Aufklärungsarbeit nötig. Pedelec-Fahrer sollten über die unterschiedlichen fahrdynamischen Eigenheiten der neuen Elektroräder ebenso informiert werden wie Auto- oder Motorradfahrer und Fußgänger über die zunächst noch ungewohnten Fahreigenschaften der Elektrofahrräder.

Der Deutsche Verkehrsgerichtstag (VGT)

Der Deutsche Verkehrsgerichtstag findet seit 1963 in Goslar statt und hat von Beginn an große Beachtung gefunden. Mehr als 1.600 Experten erarbeiten jedes Jahr Empfehlungen. Die Ergebnisse – besonders zur Erhöhung der Verkehrssicherheit – flossen vielfach in Gesetze, Verordnungen, Vorschriften und Gerichtsurteile ein.

Gesetze e-Bikes und Pedelecs

Begriffsklärung und Fakten im Überblick

Pedelec (Pedal Electric Cycle)

Zu dieser Klasse gehören ca. 95 Prozent aller verkauften Elektrofahrräder.

  • Mit einer Unterstützung beim Treten bis maximal 25 km/h (plus Toleranz) und einer Nenndauerleistung des Motors von 250 Watt gelten Pedelecs als Fahrrad.
  • Dementsprechend sind weder eine Zulassung, ein Helm oder ein Führerschein nötig.
  • Einige Modelle verfügen über eine Anfahrhilfe bis 6 km/h – d. h. bis zu dieser Geschwindigkeit ist kein eigener Krafteinsatz nötig. Auch diese Modelle gelten als Fahrräder.
S-Pedelec (schnelle Klasse)

Auch wenn die schnellen Pedelecs noch keinen hohen Marktanteil haben, erfreuen sie sich ständig steigender Beliebtheit.

  • Maximal unterstützte Geschwindigkeit: 45 km/h, maximale Nennleistung des Motors 500 Watt. Fahrhilfe ohne Muskelkraft (beim Bosch-Antrieb zum Beispiel bis 18 km/h) erlaubt.
  • Führerschein: Berechtigung zum Fahren eines Mofas nötig (Führerscheinklasse M, bzw. enthalten bei PKW-Führerschein Klasse B)
  • Haftpflichtversicherung inkl. Kennzeichen nötig (ca. 35-70 Euro / Jahr). Vorteil: Gegen einen geringen Aufpreis ist eine Teilkasko- und Diebstahlversicherung erhältlich.
  • Radwege: Nur eingeschränkte Nutzung von Radwegen (nur außerorts, mit abgeschaltetem Motor oder wenn für Mofas freigegeben)
  • Keine Nutzung von Einbahnstraßen entgegen der (für Radfahrer freigegebenen) Fahrtrichtung.
  • Anhänger: Transport von Kindern im Anhänger nicht gestattet (im Gegensatz zu normalen Pedelecs)
  • Technik: Zulassungspflicht durch Hersteller / Betriebserlaubnis durch den TÜV mit besonderen Anforderungen an sicherheitsrelevante Bauteile
  • Helm: Bislang keine Helmpflicht (aber grundsätzlich zu empfehlen)
  • Alkoholgrenze: wie beim Führen eines PKWs
Elektro-Leichtmofa / Kleinkraftrad (früher e-Bike im engeren Sinn)

Der Marktanteil dieser Elektrorad-Klasse ist verschwindend gering.

  • Maximale Geschwindigkeit 20 km/h bei 500 Watt max. Motorleistung.
  • Kein Einsatz eigener Muskelkraft nötig. / Leistungssteuerung per E-Gasgriff.
  • Es gelten die gleichen gesetzlichen Vorgaben wie bei S-Pedelecs.

 


Bilder: Deutscher Verkehrssicherheitsrat DVR, European Cyclists‘ Federation ECF

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2 Kommentare

  1. Renate Kölling sagt:

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    ich habe ein gebrauchtes holländisches E-Bike angeboten bekommen. Lt. Verkäufer handelt es sich um ein Pedelec ohne Versicherungspflicht. Einige Recherchen zur Typ-Bezeichnung haben ergeben, dass das Rad eine Leistung von 396 WH hat. Auf einer holländischen Internetseite ist zu dem Modell angegeben, dass keine Versicherungspflicht besteht. Ich bin jetzt verunsichert. Nach meiner Info besteht Versicherungspflicht bei mehr als 250 WH, was nach Ihren Angeben in ganz Europa einheitlich gelten soll. Können (dürfen) Sie mir dazu nähere Auskünfte geben? Es handelt sich um folgendes Rad: Saxonette Comfort Limited Edition. Für eine Rückmeldung wäre ich Ihnen sehr dankbar.
    Mit freundlichen Grüßen
    Renate Kölling

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    • Sehr geehrte Frau Kölling,

      vielen Dank für ihr Anfrage, die ich gerne beantworte.
      Bei den Begriffen Watt (W) und Wattstunden (Wh) kommt es immer wieder mal zu Verwechslungen.

      Watt (W) gibt die Leistung an – und sie haben zum Teil auch recht:
      250 Watt Nenndauerleistung ist in der EU höchste für versicherungsfreie Pedelecs zugelassene Leistung.

      Der Begriff Wattstunden (Wh) bezeichnet dagegen die Batteriekapazität, sprich den Energiegehalt.
      Er errechnet sich, indem man die Voltstärke (V) des Akkus mit der Ampere-Stundenzahl (Ah) multiplizierst. Mit der Motorleistung hat das erst mal nichts zu tun.

      Übersetzt auf ein benzingetriebenes Fahrzeug kann man die Wattstunden mit dem Tankinhalt und die Wattzahl mit der PS-Zahl vergleichen.
      250 Watt entsprechen 0,34 PS. Das klingt wenig. Und ist es auch, wenn man den Energieverbrauch bedenkt.
      Auf der anderen Seite ist es viel, wenn man weiß, dass Durchschnittsradfahrer dauerhaft nur rund 100 Watt auf die Pedale bringen.

      Beste Grüße

      Reiner Kolberg

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