Interview: Wie sicher sind E-Bikes?

ADAC und Stiftung Warentest schreckten Ende Juli 2011 mit einem kritischen E-Bike Test viele Verbraucher auf. Die anschließende mediale Berichterstattung gipfelte sogar in Schlagzeilen wie „e-Bikes zum Teil unsicher“. Wie steht es also um die Qualität der Pedelecs und e-Bikes in Deutschland?

Dazu Auszüge aus meinem Interview mit dem Zweirad-Sachverständigen Ernst Brust für die Zeitschrift Mobility 2.0 (Ausgabe 03, Oktober 2011):

Zweiradsachverständiger Ernst Brust - velotech.de GmbH

Zweiradsachverständiger Ernst Brust – velotech.de GmbH

Wie gut sind Fahrräder mit Elektro-Unterstützung, die in Deutschland verkauft werden?

Ernst Brust – velotech.de: Das lässt sich nicht pauschal beschreiben. Es gibt gute und sichere Produkte. Diese höhere Qualität wird sich langfristig am Markt durchsetzen, hat aber auch ihren Preis. Leider gibt es aber noch zu viele schlechte Beispiele, die schuld daran sind, dass das gesamte gute Produkt Pedelec medial schlechtgeredet wird. Dies kommt auch daher, dass solche Produkte eigenverantwortlich in Verkehr gebracht werden können. Diese Eigenverantwortlichkeit und mögliche Selbstzertifizierung lässt leider oftmals zu wünschen übrig.

Wie problematisch sind Unterschiede zu normalen Fahrrädern?

Ernst Brust – velotech.de: Pedelecs werden schneller gefahren sowie öfter und härter abgebremst als konventionelle Fahrräder. Dies mit höherem Eigengewicht, was zu höheren Energien führt. Die mechanischen Betriebslasten sind dadurch größer. Neue elektrische Komponenten bringen auch neue Anforderungen zur elektrischen Sicherheit mit sich. Man hat oftmals den Eindruck, dass Unkenntnis einiger Anbieter gepaart mit Zeit- und Kostendruck zu schlechter Qualität und schnellem Umsatz führt. Bessere Anbieter arbeiten kompetenter und werden sich am Markt langfristig behaupten.

Werden von Herstellern oder Importeuren gesetzliche Normen oder Bestimmungen verletzt?

Ernst Brust – velotech.de: Normen sind keine Gesetze und beschreiben in der Fahrradbranche nur Mindestanforderungen. Damit kann kein guter Fahrradhersteller sein hochwertiges Produkt sicher auslegen.

Was muss man Ihrer Meinung nach für ein sicheres und gutes E-Bike ausgeben und wie schätzen Sie die Preisentwicklung für die kommenden Jahre ein?

Ernst Brust – velotech.de: Der Preis kann nur ein erster Anhaltspunkt für den Endkunden sein. Von Pedelec-Angeboten, die derzeit zum Teil schon für rund 400 Euro zu finden sind, ist abzuraten; man muss derzeit mit mindestens etwa 1800 Euro im Fachhandel rechnen. Leider gibt es aber auch schwarze Schafe, die ihre Produkte ungerechtfertigt in diesen Preisregionen ansiedeln. Langfristig wird das Produkt durch höhere Stückzahlen und den Entwicklungsfortschritt günstiger werden. Aber die Nachfrage ist derzeit sehr hoch, sodass man noch von einem stabilen Preisniveau für gute Produkte ausgehen kann.

Ernst Brust, Geschäftsführer velotech.de GmbH
Ernst Brust ist Gründer und Geschäftsführer der Schweinfurter
velotech.de GmbH und beschäftigt sich seit 20 Jahren als Gutachter
im Auftrag von Firmen, Medien und Gerichten mit Untersuchungen
an Fahrrädern, ihren Komponenten und Zubehör.

www.velotech.de

Das Interview können Sie in voller Länge nachlesen in der Fachzeitschrift Mobility 2.0: www.mobility20.net

Bild: velotech.de / Ernst Brust

Anmerkung zum e-Bike-Test von ADAC und Stiftung Warentest

Die Ergebnisse des im Juli 2011 veröffentlichten E-Bike Tests – unter anderem wurden zu schwache Bremsen moniert – haben in der Fahrradbranche für vielfältige Diskussionen und bei einzelnen Herstellern auch für sofortige Nachbesserungen für die Saison 2012 gesorgt. Gemeinsam stellen alle fest: Qualität kostet immer auch ihre Preis.
Stellvertretend für viele hier die ausführliche offizielle Stellungnahme von GIANT, einem der weltweit größten Fahrradhersteller.

VN:F [1.9.22_1171]
Wie bewerten Sie diesen Artikel?
Rating: 4.0/5 (6 votes cast)
Interview: Wie sicher sind E-Bikes?, 4.0 out of 5 based on 6 ratings

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Bitte geben Sie hier den richtigen Wert ein. *