Gesetzliche Grundlagen beim Nachrüsten auf E-Bike beachten

Nach dem deutschen Produkthaftungsgesetz (s. Wikipedia) sind verschiedene Pflichten und haftungsrechtliche Grundsätze zu beachten, wenn ein neues Produkt – und dabei handelt es sich bei einer Nachrüstung zum E-Bike nach gängiger Meinung – in den Verkehr gebracht wird.
Bei einem E-Bike-Unfall drohen ernste Folgen

So kann zum Beispiel ein nachrüstender Händler zum Hersteller des E-Bikes als Gesamtproduktes und aller eingesetzten Bauteile werden. Kommt es zu einem Unfall mit dem Elektrorad (zum Beispiel durch das Verlieren des Vorderrads durch Gabelbruch), drohen ernste Folgen wie Schadensersatzansprüche.

E-Bike Nachrüsten am besten nur vom Fachmann

Wenn Sie sich zu einem E-Bike-Umbau entschlossen haben, ist generell zu empfehlen, das von einem auf das Nachrüsten spezialisierten Fachbetrieb erledigen zu lassen, da der korrekte und sichere Elektroradumbau von Spezialwerkzeugen abhängt und nur so gewährleistet ist, dass das Rad am Ende auch der StVZO entspricht. Die Hersteller der E-Bike-Umrüstkits raten deshalb dazu, einen Fachmann mit der Umrüstung zu beauftragen. Nehmen Sie den Umbau zum E-Bike selbst vor, sollten Sie sich vorher beim Hersteller des Umrüstsatzes über dessen Kompatibilität mit Ihrem Fahrrad informieren.

Experten warnen: Sicherheitsrisiken sind schwer abschätzbar

Auch Komponentenhersteller wie Humpert (www.humpert.com) warnen vor den steigenden Anforderungen an das Material, die mit dem E-Bike-Antrieben einhergehen. „Prüfungen der Betriebsfestigkeit von Neurädern und Bauteilen, wie etwa die DIN-Norm, untersuchen die Belastungsgrenzen eines Bauteils im Vorfeld der Serienproduktion. Dabei zeigt es sich immer wieder, dass Bauteile, die für ein normales Fahrrad ohne Motorunterstützung entwickelt wurden, für ein E-Bike oftmals nicht geeignet sind. Bei der Nachrüstung an einem gebrauchten Rad kann niemand abschätzen, wie stark die Ermüdung von Rahmen, Gabel, Lenker oder sonstiger sicherheitsrelevanter Bauteile bereits vorangeschritten ist und ob die dort verbauten Komponenten den erhöhten Anforderungen eines E-Bikes überhaupt standhalten“ erklärt Rolf Häcker, Produktmanager bei Humpert und langjähriger Mitarbeiter im Normenausschuss für Fahrräder. „Auch wenn man nun alle sicherheitsrelevanten Bauteile am Rad durch Neuteile ersetzen würde, könnten keine validen Aussagen über die Gesamtstabilität des Fahrzeugs getroffen werden. Diese Werte könnten nur aufwändige Testverfahren liefern, die ein Händler aufgrund der hohen Kosten kaum leisten kann.“

ADFC rät: Juristische Bestimmungen beim Nachrüsten beachten

Unter rechtlichen Gesichtspunkten sind Umbaumaßnahmen heikel, denn: „Sobald ein Händler den Umbau eines Fahrrads zum E-Bike oder Pedelec vornimmt, wird er zum Hersteller des Gesamtprodukts, mit allen vom Gesetzgeber geforderten Gewährleistungen“, erläutert Roland Huhn, Rechtsreferent des ADFC (www.adfc.de). Der Händler, der das Fahrrad nachrüstet, ist demnach nicht nur für den einwandfreien Betrieb des Elektroantriebes, sondern auch für das gesamte Fahrzeug verantwortlich. Die Produzentenhaftung gilt dabei zehn Jahre. Der private Hobbybastler löscht im Übrigen mit dem Umbau seines Rades als E-Bike/Pedelec die Garantieleistungen des Radherstellers.

Zulassungspflicht für alles, was kein einfaches Pedelec ist

An Brisanz gewinnt das Thema, sobald Elektroantriebe über die Pedelec-Definition, also der Trittunterstützung bis 25 km/h, hinausgehen. „Bei sogenannten schnellen Pedelecs (S-Klasse) und andere E-Bikes sind zusätzlich die Versicherungspflicht, eine Überprüfung beim TÜV zum Erhalt einer Betriebserlaubnis und die besondere Ausstattung zu beachten“, verdeutlicht Roland Huhn. „Unter die „besondere Ausstattung“ fallen nicht etwa nur Nummernschild, zusätzliche Reflektoren und ein Rückspiegel, selbst die Reifen unterliegen hier gesetzlichen Bestimmungen. So fordere die StVZO bei Reifen an schnellen e-Bikes eine Mindestprofiltiefe von einem Millimeter,“ erklärt Peter Horsch, Produktmanager E-Bikes beim Hersteller Riese und Müller (www.r-m.de), die bei ihren Pedelecs nicht nur auf  hohe Belastbarkeit, sondern auch auf Vollfederung setzen.

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