Markus Riese und Heiko Müller, Geschäftsführer riese und müller, im Gespräch

„Vollfederung und Elektrounterstützung – für uns die perfekte Symbiose“, so Heiko Müller und Markus Riese, Geschäftsführer riese und müller im Gespräch (August 2011)Logo riese und müller

Angefangen hat beim Darmstädter Spezialisten für vollgefederte Fahrräder alles 1992. Und zwar mit der Idee, Federung und Faltbarkeit miteinander zu verbinden. Der heutige „Klassiker“ – das Birdy – war geboren und eroberte ab 1995 die Welt. Weiter ging die Erfolgsgeschichte mit vollgefederten Alltagsrädern. Heute beschäftigt die riese und müller GmbH am Standort Darmstadt 60 Mitarbeiter und zählt zu den innovativsten Fahrradmarken in Europa.

Heiko Mueller, Geschäftsführer riese und müller

Heiko Müller, Geschäftsführer riese und müller

Aus Überzeugung „vollgefedert“ – kann man das so sagen?
H. M.: Ja, absolut. Das ist unsere Überzeugung seit 1992 und davon sind wir nie abgerückt.

Was steckt hinter dem Begriff „Vollfederung“?
H. M.: Vollfederung heißt einerseits, dass Vibrationen und stärkere Stöße deutlich reduziert werden. Das führt zu einem angenehmen, entspannten und gesunden Fahren, das den Körper weniger belastet. Andererseits bedeutet es, dass das Rad auch bei schlechten Straßen Bodenkontakt hat. Das verbessert die Fahrsicherheit gerade bei höheren Geschwindigkeiten.

Vollfederung heißt also nicht „langsam und bequem“?

Markus Riese, Riese und Müller

Markus Riese, Geschäftsführer riese und müller

M. R.: Vollfederung heißt Komfort. Und Komfort kann vieles bedeuten. Heute möchte selbst ein Rennradfahrer komfortabel fahren und trotzdem oder gerade deshalb kann er seine Leistung abrufen. Unsere Räder sind für den Alltagsfahrer ausgelegt, aber es darf durchaus auch sportlich zugehen.

Das e-Bike ist in aller Munde – ein kurzlebiger Trend oder eine nachhaltige Veränderung?
H. M.: Hybrid (Anm.: riese und müller nennt seine e-Bikes Hybridräder) bewegt den Markt. Wir sind davon überzeugt, dass das e-Bike die Mobilität nachhaltig verändert, weil endlich die Lücke zwischen Auto und klassischem Fahrrad geschlossen wird. Strecken, die vorher für das Auto „eigentlich“ zu kurz und für das Fahrrad „eigentlich“ zu lang waren, können nun problemlos mit dem Rad bewältigt werden. E-Bike fahren ist Bewegung, manchmal auch Sport, mehr Lasten können transportiert werden – die Möglichkeiten sind unbegrenzt.

riese und müller und e-Bike – eine neue Überzeugung?
H. M.: Das ist keine neue Überzeugung, sondern wir folgen konsequent unserer Philosophie. Unsere robusten Rahmenkonstruktionen und die Vollfederung sind wie gemacht für elektrounterstützte Räder. Die perfekte Symbiose. Komfort, Sicherheit, Fahrspaß und das auch bei höheren Geschwindigkeiten. Davon musste man uns nicht überzeugen. Es war klar, dass das passt.

Auf welche Antriebsarten setzen Sie bei Ihren hybrid-Rädern?
M. R.: Wir sind da nicht dogmatisch und bieten drei ausgereifte Systeme an, die jeweils einen bestimmten Fahrertyp ansprechen – den Elektromotor im Hinterrad, im Vorderrad und den Mittelmotor. Jede Variante hat ihre spezifischen Stärken. Im Hinterrad ist die Kraftübertragung direkt und ohne Verluste – dieser Antrieb kommt bei sportlicheren Modellen zum Einsatz. Wenn der Motor in der Vorderradnabe ist, hat man den Vorteil, dass eine Nabenschaltung mit Rücktritt zum Einsatz kommen kann. Für sehr komfortable Räder wie das Avenue ist das ideal. Die dritte Antriebsart, der Mittelmotor, arbeitet bei jeder Fahrgeschwindigkeit immer mit optimaler Drehzahl. Er sorgt damit besonders in den Bergen für einen guten Wirkungsgrad und hohe Zugkraft.

Wie entscheidend ist denn der Antrieb bei einem e-Bike überhaupt?
M. R.: Natürlich ist es der Antrieb, der ein Bike zum e-Bike macht. Und der muss funktionieren. Entscheidend sind die Leistung und eine hohe Reichweite. Wichtig ist aber auch, dass die Räder den Anforderungen an ein e-Bike entsprechen – also nicht einfach nur Antrieb dran und los geht’s. Ein Antrieb muss in das jeweilige Fahrzeugkonzept integriert werden. Wir haben uns in diesem Jahr zum Beispiel intensiv mit der optimalen Integration des neuen Bosch-Antriebs in unsere Konzepte beschäftigt. Da wir auch den schnellen Bosch-Antrieb einsetzen, der bis zu 45 km/h unterstützt, mussten wir explizit darauf achten, dass die entsprechenden Anforderungen an die Steifigkeit des Rahmens und die benötigte Fahrsicherheit gewährleistet sind. Optik ist ein weiteres Thema, denn ein e-Bike sieht unserer Meinung nach nur dann gut aus, wenn auch der Akku in das Gesamtbild passt.

Ihre Spitzenmodelle unterstützen bis zu 45 km/h. Baut riese und müller jetzt Sportfahrzeuge?
H. M.: Natürlich haben wir Spaß an der Geschwindigkeit gefunden, aber im Kern geht es um Alltagsanwendungen. Allerdings erinnert das Delite hybrid Cup nicht zufällig an ein Rennfahrzeug, das Delite hybrid country nicht zufällig an ein Sportgerät. Wir zeigen die Möglichkeiten und die Entwicklungsrichtung auf.
M. R.: Beim 1. Super-Hybrid-Cup (Anm.: Rundenrennen für e-Bikes auf einer Kartbahn) fuhr das Delite hybrid 500 HS die schnellsten Rundenzeiten. Die Rennerfahrung fließt kontinuierlich in die Weiterentwicklung des Delite-Rahmens ein.

Ist das nicht ein Widerspruch, e-Bike und Sport?
H. M.: Nein, überhaupt nicht. Da passiert gerade etwas ganz Spannendes. Immer mehr jüngere Leute interessieren sich für e-Bikes, es fahren also mehr Menschen Rad. E-Bikes werden eine ganz selbstverständliche Spielart des Radmarktes sein. Davon sind wir überzeugt.

 

Delite Hybrid von riese und müller

Das Delite hybrid von riese und müller gibt es als Sport- und Straßenvariante


Bilder: riese und müller

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